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100 Jahre Stromversorgung

Am 1. Oktober sind es genau 100 Jahre her, dass das elektrische Licht in Haibach und Grünmorsbach „angeknipst“ wurde. Dörrmorsbach folgte am 20. Dezember. Die Zeit der Petroleum-Lampen und Kerzen und der mühsamen Arbeit, die Wäsche in großen Kesseln zu kochen, ging damit langsam zu Ende.

Vorausgegangen waren Verträge der drei Gemeinden mit der Kreiselektrizitätsversorgung Unterfranken AG, genannt Kreis-AG, dem späteren Überlandwerk Unterfranken (ÜWU). Damit konnten erstmals Stromleitungen, Schalt- und Transformatorenstationen im Ort errichtet und dadurch Strom bezogen werden. Die Kabel kamen als Freileitung in den oberen Teil der Trafohäuschen und wurden nach dem Transformator zu den Dachständern auf den Häusern ebenfalls als Freileitung geführt und dann von Haus zu Haus weitergeleitet. In den Häusern war die Versorgung mit heutigen Verhältnissen nicht zu vergleichen: Nach der „Panzersicherung“ leiteten die Stromadern „auf Putz“ in Stahlpanzerrohren den Strom zu wenigen Steckdosen und zu den Schaltern der Lichtquellen. Erst ab 1972 wurden die Strommasten auf den Hausdächern abgebaut und die Niederspannungsleitungen unter die Erde verlegt. In Dörrmorsbach gibt es heute noch Bereiche, in denen die Häuser über Dachständer versorgt werden. Lediglich die Freileitungen wurden durch isolierte Kabel ersetzt.

Die Gemeinde Haibach beteiligte sich mit 250000 Reichsmark (RM) an den Baukosten der Stromversorgungsanlage für die damals 1856 Einwohner. Die Grünmorsbacher mussten ebenfalls pro Kopf 165 RM aufbringen und die Dörrmorsbacher insgesamt 32000 RM. Die Straßenbeleuchtung in Haibach kostete zusätzlich 6390 RM. Dafür musste jede Familie 100 RM bezahlen. In Haibach wurden 15 Straßenlampen im Ortskern aufgestellt, in Grünmorsbach 14. Dörrmorsbach, das von Straßbessenbach aus versorgt wurde, wollte am Anfang keine Straßenlampen. Erst in den 1960 Jahren wurden dort die Straßen beleuchtet. Die Leuchtkörper in den vorhandenen „Elefantenrüsseln“ wurden ab 1959 in Neonrühren umgetauscht. Aktuell wurde in Dörrmorsbach die gesamte Straßenbeleuchtung auf LED-Licht umgestellt, Grünmorsbach und Haibach befinden sich in der Umsetzung.

Damit sich die einzelnen Haushalte an das Stromnetz anschließen ließen, startete schon 1920 die „Kreiselektrizitätsversorgung“ eine Werbekampagne: „An Alle in Unterfranken, welche noch nicht die Segnungen der Elektrizität für Licht und Strom genießen, aber raschestens versorgt werden sollen“. In der Werbung hieß es: „Ihr gebt euch selbst das schönste Christgeschenk, denn Ihr schafft uns die Möglichkeit, zu Eurem eigenen Nutz und Frommen unseren Plan durchzuführen, nämlich das ganze Unterfranken in spätestens 2 Jahren mit einem preiswerten Strom für Licht und Kraft zu versorgen.“ Eine Kilowattstunde kostete im Oktober 1923 während der Inflationen 16 Millionen Mark.

Die ersten Verträge mit dem ÜWU wurden auf 50 Jahre geschlossen und daraufhin immer wieder erneuert. Seit Oktober 2005 wird die Gemeinde von der Aschaffenburger Versorgungs-GmbH (AVG) mit elektrischer Energie beliefert.

Bereits im Jahr 1930 erließ die Gemeinde eine „ortspolizeiliche Vorschrift“, nach der jeder Besitzer einer „Licht- und Kraftanlage“ verpflichtet wurde, seine Stromversorgung kontrollieren zu lassen, um die Unfall- und Brandgefahr zu überprüfen. Bei Zuwiderhandlungen wurden Geldstrafen von 150 RM oder 14 Tage Haft angedroht. 1948 wurde in Haibach eine zweite Umspannstation gebaut, mit der die Kleiderfabriken Arnold und Süweda versorgt werden konnten. In den drei Ortsteilen gibt es heute 23 Ortsnetzstationen für 2670 Haushaltsanschlüsse.

Zur besseren Organisation errichtete die ÜWU 1959 an der Jahnstraße in Haibach eine Bezirksstelle. Von hier aus wurde der Bezirk Aschaffenburg, etwa ein Drittel des Landkreises, betreut. Seit 2007 wird die Gemeinde von der Aschaffenburger Versorgungs-GmbH (AVG) mit Strom beliefert, 19 Megawattstunden werden gebraucht.

Die Gemeinde hat für die künftige Stromversorgung mit der neuesten Bebauungsplanänderung neue Wege beschritten: Damit die Bürger von der allgemeinen Stromversorgung unabhängiger werden und die Umwelt mit selbst produziertem Ökostrom schützen helfen, müssen künftig auf Neubauten Photovoltaikanlagen errichtet werden.

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Bild: Beim Bau des ersten Trafohäuschens in Grünmorsbach im Jahr 1921

Bericht: Robert Fuchs

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