|  Druckversion  |  
 Position:  Startseite → Der Unterfranke
 
 

Der Unterfranke

Beschreibung der Unterfränkischen Landbevölkerung aus der Landes- und Volkskunde des Königreichs Bayern von 1866

Der altbayrische und oberpfälzische Bauer ist bekanntlich auffallend weniger beweglich und lebendig als der fränkische, dessen leicht erregbare Gemütsart, seine Neugierde und Schwatzhaftigkeit psychologisch erklärt. Vor allem gebührt dem Unterfranken das Lob sonderlicher Zungenfertigkeit und Mitteilsamkeit.
Der Weinduft des Main- und Saaletales – sagen die Leute – mache die Sprachwerkzeuge geschmeidiger als der herbere und derbere Geruch des Hopfens und helfe selbst jenes vorsichtige Misstrauen zu überwinden, welches ein Ausfluss des Bildungsgrades, die Folie des bäuerlichen Charakters im Allgemeinen bildet. Nebenbei besitzt der fränkische Bauer mehr Selbstständigkeit und Gemeingefühl. Er ist politisch anregsam und dem öffentlichen Wesen zugetan. Alles auf Kosten der Heimlichkeit des Familienlebens.
Diese Eigenschaften finden in der Gestaltung seines Hauses einen unverkennbaren Ausdruck. Das fränkische Bauernhaus hat große Fensteröffnungen damit sich die Einsicht erleichtert und die Aussicht vollends unbehindert ist. Der unterfränkische Bauer flackt gerne am Fensterbrette und unterhält sorglich die Kommunikation mit der offenen Straße. Er will nicht nur sehen was draußen vorgeht, es liegt ihm auch daran sich selber bemerklich zu machen und wer ihn nicht anspricht, den spricht er an.
Das bäuerliche Familienleben rankt in die Öffentlichkeit hinüber. Man befasst sich im eigenen und in des Nachbars Hause mit Erörterungen über korporative und politische Angelegenheiten. Man tut dies selbst von der Gasse aus, durchs Fenster oder auf der „Gräd.“.
Der Besuch von Bier- und Weinschenken ist deshalb auch auf dem unterfränkischen Plattlande gering und das Wirtshaus spielt dort im gleichen Verhältnis baulich eine bescheidene Rolle. Nur an den großen Verkehrsstraßen steht das ansehnliche Gasthaus, abseits derselben, selbst in reichen und starkbevölkerten Dorfschaften, hat man an der unscheinbaren Kneipe sein Genüge.


Aus dem Internet von Robert Fuchs

  |  Hinweise  |  Datenschutz  |  Haftungsausschluss  |