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Bericht vom letzten Vortragsabend von Roland Albert

„Inhaftiert in Hohenschönhausen – die Geschichte des Stasi-Gefängnisses“, so lautete der Vortrag des Heimat- und Geschichtsvereins zum Jubiläum 30 Jahre Deutsche Einheit.

Die Teilnehmer des Vortrags wurden von Roland Albert auf einem virtuellen Rundgang durch Zellen, Vernehmerzimmer, Gefängniskrankenhaus, Gefangenentransporter und dem gefürchteten „U-Boot“, einem fensterlosen, feuchtkalten Kellergefängnis, geführt. An persönlichen Haftschicksalen wurde die Unmenschlichkeit der SED-Diktatur drastisch dargestellt. Die Teilnehmer waren nach dem Vortag erschrocken über den Repressionsapparat des SED-Staates. Die einhellige Meinung war, dass dieser Teil der Deutschen Geschichte viel intensiver in der Öffentlichkeit dargestellt werden müsse.

Die zwischenzeitlich zur Gedenkstätte umfunktionierte zentrale Untersuchungshaftanstalt des Ministeriums für Staatssicherheit (MfS/Stasi) ist ein Ergebnis der friedlichen Revolution in Ostdeutschland. Wären die Bürger der DDR nicht im Herbst 1989 auf die Straße gegangen und hätten freie Wahlen erzwungen, wäre das Gelände vermutlich noch heute Untersuchungshaftanstalt. Zwischen 1945 und 1990 waren hier Zehntausende politische Häftlinge eingesperrt, darunter fast alle bekannten Gegner der kommunistischen Diktatur in Ostdeutschland. Die Liste der Gefangenen reicht von Streikführern des Aufstands vom 17. Juni 1953 bis zu SED-Kritikern und Republikflüchtlingen. Auch in Ungnade gefallene Politiker blieben nicht verschont. Selbst SED-Kritiker aus dem Westen wurden vom MfS entführt und nach Hohenschönhausen gebracht. Die physische Gewalt der 1950er Jahre wurde seit den 1960er Jahren durch raffinierte psychologische Foltermethoden ersetzt. Über den Ort ihrer Haft ließ man die Inhaftierten bewusst im Unklaren. Systematisch gab man ihnen das Gefühl, einem allmächtigen Staat ausgeliefert zu sein. Von der Außenwelt hermetisch abgeschnitten und von den Mitgefangenen meist streng isoliert, wurden sie durch gut ausgebildete MfS-Vernehmer monatelang verhört, um sie zu belastenden Aussagen zu bewegen. Erst die friedliche Revolution im Herbst 1989, die das Ende der SED-Diktatur einleitete, führte zur Auflösung des MfS und seiner Gefängnisse. Mit dem Beitritt der DDR zur Bundesrepublik Deutschland am 3. Oktober 1990 wurde das Gefängnis für immer geschlossen. 1992 wurde es unter Deckmalschutz gestellt und zwei Jahre später zur Gedenkstätte erklärt.

Gedenkstätte

Text: Robert Fuchs

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