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Das Haibacher Hohe Kreuz

Seit 175 Jahren steht das „Haibacher Hohe Kreuz“ am Ortseingang an der Büchelbergstraße neben dem heutigen Waldfriedhof und über dem Soldatenfriedhof. Die Sockelinschrift „1844“ weist ihm sein genaues Errichtungsjahr zu. Warum das über 3-Meter hohe Sandsteinkreuz damals gebaut worden ist, lässt sich nicht genau nachvollziehen. Eine Quelle in der Beilage des Spessartbundes der Monatszeitschrift „Mainfranken“ aus dem Jahr 1936, erschienen zum Bundesfest in Haibach, erklärt es so: „Es verdankt seine Errichtung keiner besonderen Ursache. Drei Aschaffenburger Geschäftsleute wollten lediglich diesen idyllischen Ort, dem ein wundervolles Felsenmeer vorgelagert ist, durch ein religiöses Symbol krönen“.

Diese Begründung für den Bau stützt auch ein Gedicht des Haibacher Heimatdichters August Albert (1870 bis 1946) aus dem Jahr 1928:

„Des „Kreiz“ es erricht worn vun Aschebercher Herrn,
die son immer naus uff Hawisch gern.
Un wäll mä do hott sou e schäini Aussicht,
do hon se des „Houche Kreiz“ do erricht.
Es eß do also nex passiert,
es eß blous mit dem „Kreiz“ de Hügel geziert“.

Auch der Aschaffenburger Pflasterermeister und Landwirt Adam Kipp (1789–1851) ist in einer Quelle benannt. (Aschaffenburger Zeitung vom 23.4.1912): „Adam Kipp, ein Mann tatkräftigen Verschönerungssinnes ließ das Kreuz, laut der auf demselben befindlichen Jahreszahl, 1844 neu errichten.“
Das Kreuz fügt sich demnach ein in die Gestaltung des Stadtumfeldes von der Fasanerie über den Godelsberg bis hin zum Büchelberg. Kipp errichtete nämlich auch 1839 mit Unterstützung des Stadtmagistrats ein Weinberghäuschen im Stil einer Burgruine, die „Kippenburg“.

Andere Quellen nennen den Aschaffenburger Bürgermeister Adalbert von Herrlein (Bürgermeister von 1835 bis 1864) als Initiator. In seiner Zeit als Bürgermeister änderte sich das Stadtbild. Er forcierte die Verschönerung von Fasanerie, Godelsberg und Bücherberg als Ausflugziele der Aschaffenburger. So ließ er 1840 das Büchelberghaus errichten, das als Ausflugziel beliebt war. In diesem Zusammenhang kann auch der Bau des Hohen Kreuzes gestanden haben. Herrlein wird in der Haibacher Chronik von 1987 als der Erbauer des Kreuzes benannt: „Er bewunderte die landschaftliche Schönheit des Waldgebietes so sehr, dass er hier einen Aussichtspunkt schuf, von dem er einen geruhsamen Blick auf seine Stadt hatte.“

Der 1874 gegründete Aschaffenburger Verschönerungsverein kümmerte sich 1882 um das Kreuz. In der Aschaffenburger Zeitung vom 1912 heißt es: „Als 1882 das Kreuz infolge der Felsenausbeute Gefahr lief, umzusinken, nahm sich der Verschönerungsverein Aschaffenburg desselben an, ließ es gerade richten und mit einem starken Fundament versehen. Der gleiche Verein hat es sich nun zur dankenswerten Aufgabe gesetzt, die Stätte des Kreuzes mit Gesträuchen zu umpflanzen und eine Vogelschutzhecke dort zu errichten. Die Absicht ist auch bereits in die Tat umgesetzt, und das Gesamtbild wird, wenn die Natur sich einmal voll entfaltet, sicherlich dem Spaziergänger und Wanderer ein angenehmes sein.“
Der Verein gab 32 Mark zu den Arbeiten dazu, der Oberförster Edel aus Aschaffenburg 20 Mark, damit die Arbeiten durchgeführt werden konnten.

Gustav Trockenbrodt (1869 – 1904) widmete in seinen „Ascheberger Sprüch“ aus dem Jahr 1900 auch ein Gedicht dem „Hawicher Kreiz“:
„In einsamer Höh’ uff zackige Schtä,, da schtäiht e groußes schtänernes Kreiz. Von da aus siecht mer ganz wunnerschö’ bis nunner in die Hawicher Schweiz.“

Nach dem 2. Weltkrieg lag das Kreuz noch weit außerhalb des Ortes. Als 1944 ein Militärzug bei Goldbach bombardiert wurde, kamen die Verwundeten nach Haibach in die neu erbaute Schule, die als Hilfslazarett eingerichtet war. Die bei den Angriffen auf Aschaffenburg im Gemeindegebiet gefallenen Soldaten und Verstorbene aus dem Lazarett wurden auf Anordnung von Bürgermeister Anton Hubert und Pfarrer Franz Oehrlein unterhalb des Hohen Kreuzes in Sammelgräbern beerdigt. Hubert damals: „Durch die Anlegung eines Heldenfriedhofes haben wir dieser Stätte, die keinen besondere Bedeutung hatte, jetzt Sinn und Zweck verliehen.“ 5

Bürgermeister Alois Wenzel ließ gleich nach dem Krieg den „Ehrenfriedhof“ nach Plänen von Architekt Valentin Schickling von Bauunternehmer Christian Kleinschmitt und Gärtner Adam Budion gestalten. Die Gesamtkosten beliefen sich auf 5000 Reichsmark. Am Allerheiligentag 1945 wurde der Ehrenfriedhof von Pfarrer Oehrlein eingeweiht. 1947 wurden dann Einzelgräber angelegt und die Namen von 58 Soldaten auf Holzkreuzen angebracht. 1958 weihte Pfarrer Ludwig Kunz das Ehrenmal ein. 1971 wurde die Gedenkstätte umgestaltet, 1980 ein Gedenkstein für die Gefallenen des Aschaffenburger 106-er Infanterieregiments aufgestellt. Ein neues Ehrenmal für die Gefallenen der beiden Weltkriege wurde 1964 eingeweiht. 1971 ließ die Gemeinde zusammen mit dem Volksbund Deutscher Kriegsgräberfürsorge den Soldatenfriedhof neu gestalten. Neben sieben Steinkreuzgruppen und einem Gedenkstein stehen jetzt die Namen der 58 Toten auf Metallplatten.

Text: Robert Fuchs

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