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Der Sarg am Krebsloch

Ein Haibacher Schreiner, der auch die Särge für Winzenhohl anfertigen musste, machte aus dem jeweiligen Liefertermin stets einen Festtag für sich selbst, an dem er dann dem Alkohol kräftig zusprach.

Eines Spätabends begab es sich, dass der biedere Mann wieder einmal von seinem Geschäft zurückkehrte. Er kam über das Krebsenloch, und an der tiefsten Stelle, an der sich die Pfade trennen, stellten sich ihm drei Gestalten in den Weg: Es waren Knochengerüste, die einen Sarg trugen und ihm den Weg versperrten. Alle Versuche, an den makabren Erscheinungen vorbeizukommen, scheiterten kläglich.

Des Schreiners Frau, die ihn schon erwartete, stand auf der Höhe, da hörte sie plötzlich, erst leise, dann immer stärker, vom nahen Walde her Trauergesang. Nichts Gutes ahnend, eilte sie rasch hinunter und konnte aus geziemender Entfernung das unheimliche Schauspiel beobachten. Die fromme Frau bekreuzigte sich schnell dreimal, und in ihrer Not kam ihr plötzlich ein Gedanke. Mit letzter Kraft rief sie ihrem Manne zu: »Spring herüber!«

Da sprang der Mann, und obwohl ihm der erste Anlauf misslang, schaffte er es beim zweiten Sprung. Nach diesem fürchterlichen Schrecken war der Alkoholrausch des Schreiners schlagartig vorbei und seine Gedanken wieder klar. Mann und Frau gingen, die Angst noch im Nacken, dem Dorfe zu. Bei der Frau war der Wunsch der Vater des Gedankens, denn von dieser Zeit an hatte sie einen braven Ehemann, der nur bei Tage seinen Geschäften nachging.

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