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Es geschah in Haibach 1813

Im Jahr 1813 wollte der Ziegler Konrad Arnold von Neuhütten wieder nach Grünmorsbach zurück zu seinem Bruder ziehen. Da er in Neuhütten mit seiner Ziegelhütte „in Vermögensreinfall geriet“, verweigerte Bürgermeister Wolf ihm die Aufenthaltsrechte.

Den Schriftverkehr hat Matthäus Withelm übersetzt.

(Zum Verständnis einzelner Begriffe: Maire= Bürgermeister; Hl. = herzoglich; Präfekt, Maire, District, Departement sind französische Bezeichnungen, da das Großherzogtum Frankfurt bis 1814 bestand und als Staat von „Napoleons Gnaden“ das französische Recht (Code Napoleon) eingeführt hatte. )

Die erwähnte „Chaussee“ ist die heutige Staatsstraße 2312, die ehemalige B8.

Chaussee-Arbeiter gab es bis in die 1960er Jahre. Ungefähr dort, wo heute das öffentliche Telefon an der Einmündung der Aschaffenburger Straße ist, stand bis 1970 ein Chausseehäuschen, in dem der Chausseewärter seine Werkzeuge deponiert hatte.



1.

An Seine Exzellenz den Herren Minister des Innern

Bitte des Konrad Arnold um Aufenthalt in Grünmorsbach

Konrad Arnold bittet in anliegender Bittschrift, die ich wieder mit den früher erstatteten Berichten vorzulegen die Ehre habe, ihn in Grünmorsbach den Aufenthalt oder vielmehr den Eintritt in die ehemalige Nachbarschaftsrechte zu gestatten. Derselbe verließ vor 3 ½ Jahren diesen Ort, und zog nach Neuhütten, wo er aber bei seiner Ziegelhütte ebenso in Vermögensreinfall geriet, als es in Grünmorsbach geschehen war. Er hatte sich an letzterem Orte die Nachbarrechte nicht vorbehalten, und solche in Neuhütten, wo ihm seine Ziegelhütte verkauft ist, nicht erworben. - In dieser Lage suchte er zu seiner und seiner Familie Ernährung Arbeit an der Herr. Schaftl. Chaussee, welche er fand, und schlug dabei seine Wohnung wiederum in Grünmorsbach bei seinem Bruder auf. Der dortige Hl. Maire wies ihn aus, und ist auch seiner Vermögensumstände wegen, die er seiner Liederlichkeit zuschreibt, gegen dessen Wiederaufnahme; der Hl. Stiftsmaire bemerkt aber, derselbe sei von seinen Eltern in diesem Orte umzogen, Unterthan allda geworden, und hätte sich dieses Recht beim Abzug vorbehalten können, wenn er jährlich einen Gulden zur Gemeindskasse entrichtet habe, an keinem anderen Orte besitze derselbe das Nachbarrecht, sei ein noch junger Mann, der sein Brot durch Handarbeit verdienen könne, in welchem Falle er sich auch durch das beigelegte Attestat befinde, aus welchen Gründen ich ebenfalls gehorsamst begutachte, den Konrad Arnold nach Zahlung von drei Gulden für die drei verflossenen Jahre wieder in die Rechte eines Mitnachbars zu Grünmorsbach eintreten zu lassen.

expec Will



2.



Dem Herrn Districts maire von Schweinheim zum gutächlichen Berichte. Aschaffenburg am 8ten Sept. 1813 Will (Dimisionsstempel - Großherzogthum Frankfurt Departement Aschaffenburg



An Seine Excelenz den Großherzogl Frankfurtischen

Herr Staats Minister auch Minister auf Justiz u. auch Innern



Nothgedrungene unterthänige Vorstellung u. Bitte von mir. Konrad Arnold gewesener Nachbar in Grünmorsbach um in meinen vorigen Wohnorte Grünmorsbach wieder einziehen zu dürfen.

Von meinen Eltern auf der Ziegelhütte zu Grünmorsbach erzogen, habe ich mich verheiratet, bin Nachbar in Grünmorsbach gewesen -. Vor 3 Jahren hoffte ich mich zu verbessern - zog nach Neuhütten, baute eine neue Ziegelhütte - wodurch ich mich geschwächt habe. Dann starb mir meine Ehefrau - und ich selbst habe lange Zeit krank darnieder gelegen, die Profession ohnehin im Sand, stand ganz still - durch diese Ereignisse kam ich in Schulden - die Ziegelhütte wurde verkauft. Ich verheiratete mich wieder -und auf mein Ansuchen wurde ich auf der Chaussee als Arbeiter angestellt.

Um nun der Chaussee u. meinen Arbeiten näher zu sein, wendete ich mich wieder in meinem vorigen Wohnorte Grünmorsbach, und nahm bei meinem Bruder einem daselbstigen Nachbar, eine Wohnung in Miete. -Allein der Orts - Maire hat meinem Bruder lOfl. Strafe angesetzt, wenn er mich nur noch eine Nacht beherbergen würde. - Ich bin dieser Art in einer sehr üblen Lage mit Frau und Kindern. - Ich kann und darf mich doch an keinen anderen als dem von meinen Eltern und Anverwandten und mir so lange bewohnten Orte begeben. Soll etwa der Nachbarrechts Vorbehalt: Bezahlund für die 3 Jahre 3 fl beabsichtet sein. –

Diese 3 fl bin ich erbötig zu bezahlen je mehr als der Chaussee - meinen Arbeiten und meinen Anverwandten näher bleiben möchte. Euere Excellenz bitte ich unterthänig gehorsamst Hochdieseiben zu verfügen gnädig geruhen möchten, dass mir als normaligen Nachbarn und nun als Arbeiter auf der Chausse meinen Arbeiten näher zu sein den Wohnsitz in Grünmorsbach zu nehmen, zu gestatten sein.

Mit schuldiger Verehrung

EuerExcelenz Untertänigster

Konrad Arnold



3.



Bericht Grünmorsbach den 12ten Sept. 1813

Großherzogtum Frankfurt Departement Aschaffenburg

Betreff Conrad Arnold Wegen Aufenthalt im Ort Grünmorsbach



An Herrn Distrikta - Maire Justin Helm



Conrad Arnold ist vor drei Jahr wegen Schulden in Concors gerathen durch seines faules liederliches Leben wo er geführt hat, derselbe hat ein falsches Attestat ausgestellt und hat Geld geliehen als wenn das Gericht das Attestat selbst gemacht hätte, und hat das Geld mit Müßiggang und Liederlichkeit zu gebracht. 2. ist derselbe aus dem Ort gezogen und hat kein Nachbarrecht vorbehalten und ist derselbe auch nicht im Orte geboren sondern zu Keilberg, und seine Ehefrau ist zu Unterbessenbach geboren und ist auch der Zeit das er aus dem Ort ist mit seiner 2ten Ehe Frau zu Keilberg copoliert worden, und die Gemeind ist da wider.

Wolf, Maire

Heßler, Geschworener



4.



Großherzogthum Frankfurt Departement Aschaffenburg

Betreff: Bitte des Conrad Arnold um Aufenthalt zu Grünmorbach

Aschaffenburg den 2ten Okt. 1813.



Der Präfekt an

Seine Excelenz den Herrn Staatsminister, Minister der Justitz und des Innern.



Einverstanden

Den 3tenOctob. 1813



Konrad Arnold bittet in anliegender Bittschrift, die ich wieder mit den hierüber erstatteten Berichten vorzulegen die Ehre habe, ihm in Grünmorsbach den Aufenthalt oder vielmehr den Eintritt in die ehemalige Nachbarsrechte zu gestatten. Derselbe verließ vor 3 ½ Jahren diesen Ort, und zog nach Neihütten, wo er aber bei einer Ziegelhütte ebenso in einen Vermögensverfall gerieht, wie es in Grünmorsbach geschehen war. Er hatte sich am letzteren Orte die Nachbarrechte nicht vorbehalten, und solche in Neuhütten, wo ihm seine Ziegelhütte verkauft ist, nicht erworben. - In dieser Lage suchte er für seine und seiner Familie Ernährung Arbeit auf der Herrschaftliche Chaussee, welche er fand, und schlug dabei seine Wohnung wiederum in Grünmorsbach bei seinem Bruder auf.

Der dortige Herr Maire wies ihn aus, und ist auch seiner Vermögensumstände wegen, die er seiner Liederlichkeit zutheilt, gegen dessen Wiederaufnahme; der Hl. Distriktsmaire bemerkt aber, derselbe sei von seinen Eltern in diesem Orte erzogen, Unterthan allda geworden, und hätte sich dieses Recht beim Abzug vorbehalten können, wenn er jährlich einen Gulden zur Gemeindekasse entrichtet habe; an keinem anderen Orte besitze derselbe das Nachbarrecht, si ein noch junger Mann, der sein Brot durch Handarbeit verdienen könne, in welchem Falle er sich auch durch das beigelegte Attest befinde, aus welchen Gründen ich ebenfalls gehorsamst begutachte, den Conrad Arnold nach Zahlung von 3 Gulden für die drei verflossenen Jahre wieder in die Rechte einesMitnachbars zu Grünmorsbach eintreten zu lassen.

Will

5.



Müller esep. den 7ten Okt. 1813

An HL Districts Maire von Schweinheim

Sr. Excelenz der Hl. Staatsminister, Minister der Justiz und des Innern haben durch ein h. Insript vom 3ten Oktob. 1813 zu genehmigen geruhet, dass aus den in Ihrem Berichte vom 16. Sept. angeführten Gründen Conrad Arnold nach Zahlung von 3 fl. für die 3 verflossenen Jahre wieder in die Rechte eines Mitnachbars zu Grünmorsbach eintreten dürfe. Sie werden dieses bekannt machen und für den weiteren Vollzug Sorge tragen, ob wir den Bürgermeister zum Empfang dieser 3 fl anweisen, um hiemit dieser Weisung die Einnahme in der Gemeinds Rechnung zu belegen.



esped. Will

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